agOra - Arbeitsgemeinschaft der Beratungsprojekte für Opfer von rassistischer, rechtsextremistischer und antisemitischer Gewalt

In einer demokratischen Gesellschaft muss jeder Mensch die gleichen Rechte und die gleichen Möglichkeiten haben, frei und ohne Angst zu leben. Die Realität sieht allerdings anders aus: Flüchtlinge und MigrantInnen aus
Nicht-EU-Staaten unterliegen einer rassistischen Gesetzgebung, die sie systematisch benachteiligt und ausgegrenzt. Menschen werden aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer kulturellen oder sexuellen Orientierungen oder aufgrund ihrer sozialen Lage diskriminiert, angegriffen oder sogar ermordet. Viele Minderheiten leben in einem gesellschaftlichen Klima, dass von rechtsextremer, rassistischer oder antisemitischer Gewalt und Diskriminierung geprägt ist. Das Problem sind dabei nicht nur die meist jugendlichen rechtsextrem orientierten Täter, das Problem sind auch die Reaktionen der Gesellschaft. Rechtextreme Taten werden von der Gesellschaft mit Desinteresse und Gleichgültigkeit aufgenommen, und die Täter erfahren häufig genug Zustimmung; von Solidarität mit den Opfern dieser Gewalttaten kann in der Regel keine Rede sein. Dieses Ausbleiben gesellschaftlicher Solidarisierungsprozesse aber drängt die Opfer weiter ins Abseits, und die Täter fühlen sich bestärkt in ihren Handlungen.

Die in der BAG zusammengeschlossenen Opferberatungsprojekte setzen genau an diesem Punkt an: Neben individueller Beratung für Betroffene von rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt und Diskriminierung, unterstützen sie Hilfe zur Selbstorganisierung und tragen zur eigenständigen Interessenvertretung bei. Dies sind die Voraussetzungen dafür, dass die Perspektive der Betroffenen verstärkt in das öffentliche Bewusstsein eindringt. So können Solidarisierungsprozesse mit den Betroffenen ausgelöst werden, die zu einer Veränderung eines gesellschaftlichen Klimas führen.

Eine solche Arbeit ist nicht ohne Probleme: Ausländer- und asylrechtliche Vorschriften, Mangel an qualifizierten Beratungs- und Therapieangeboten zur Weitervermittlung Betroffener, die Gleichgültigkeit und Ignoranz vieler Kommunen sowie die Ungewissheit über die finanzielle Zukunft der Projekte.

Gründung der agOra

Um die Anliegen und Diskussionen der Beratungsprojekte auch länderübergreifend in die Öffentlichkeit zu tragen und die Erfahrungen und Kompetenzen der Einzelprojekte zu bündeln, haben sich verschiedene Projekte und Initiativen, die in der Beratung von Opfern rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt tätig sind, nun in einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen.

Ziele der agOra:

1. Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit

für die Selbstorganisation und -artikulation von Menschen, die zu den    Opfergruppen rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt    gehören,

für die Stärkung der Sichtweise der Betroffenen in der öffentlichen    Wahrnehmung des Problems,

für weitergreifende politische Forderungen, die sich aus der Arbeit mit Opfern    rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt ergeben,

für eine Stabilisierung bzw. Ausweitung der Finanzierung von    Beratungsstellen und die Schaffung weiterer Beratungsprojekte


2. Förderung des fachlichen Austausches der Mitglieder


 über die Situation von Opfern rechtsextremer, rassistischer und    antisemitischer Gewalt,

 über konzeptionelle Fragen und länderspezifische Problemlagen und     Lösungsansätze,

 über fachrelevante gesellschaftliche und politische Entwicklungen

agOra umfasst folgende Gründungsmitglieder:

Opferperspektive Brandenburg, AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt (Sachsen), Reach Out - Beratung und Bildung gegen Rechtsextremismus und Rassismus (Berlin), LOBBI - Landesweite Opferberatung, Beistand und Information für Betroffene rechter Gewalt (Mecklenburg-Vorpommern), ABAD - Anlaufstelle für Betroffene rechtsextremer und rassistischer Angriffe und Diskriminierungen (Thüringen), Beratungsstelle für Opfer rechtsextremer Gewalt (Leipzig, Sachsen), Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt (Dessau, Sachsen-Anhalt), Anlaufstelle für Opfer rechtsextremer Gewalt (Cottbus, Brandenburg), Kontakt und Beratungsstelle für Opfer rechtsextremer Gewalt (Bernau, Brandenburg), Beratungsstelle für Opfer rechtsextremer Gewalt (Frankfurt (Oder), Brandenburg), Beratungsstelle für Opfer rechtsextremer Gewalt (Strausberg, Brandenburg).
Projekte, die ähnliche Ansätze - auch in den alten Bundesländern - vertreten, sind herzlich willkommen!!!
                                                                                                   
 Adressenliste
Organisation der agOra:

Delegierte der einzelnen Projekte treffen sich im Projektrat zum regelmäßigen Austausch, mindestens drei Mal pro Jahr. Ein dreiköpfigen SprecherInnenrat vertritt die Projekte in enger Abstimmung mit den Delegierten nach außen. Mitgliedsanträge können über die Mitgliedsprojekte oder den SprecherInnenrat an die BAG herangetragen werden. Der Delegiertenrat entscheidet abschließend über eine Mitgliedschaft.